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Mithras-Heiligtum

Am Halberg schufen Menschen eine Grotte zur Verehrung des persisch-römischen Lichtgottes Mithras.

Mithrasgrotte
Mithrasgrotte - © SR-online

Die Sonnenverehrung

Die Verehrung der Sonne ist ein Kult, den die Menschen schon vor über dreitausend Jahren begingen. Verehrt wurde der persisch-römische Lichtgott Mithras. Von Persien wanderte dieser Kult nach Europa bis er im ganzen Römischen Reich verbreitet war. Mit dem Einzug des Christentums ins Römische Reich verschwand der Mithras-Kult bis er durch die steinernen Zeugen - wie das Mithras-Heiligtum Saarbrücken - wiederentdeckt wurde.

Mithras-Heiligtum Saarbrücken

Die "Mithrasgrotte" oder "Heidenkapelle" am Westhang des Halbergs ist einer der ältesten historischen Orte im Umkreis von Saarbrücken. Bewohner der römischen Siedlung, die sich damals unterhalb des Halbergs erstreckte, legten in der natürlichen Höhle ein Heiligtum an, das Mithras geweiht war – ein römischer Gott persischen Ursprungs.

Die Religion war Männern vorbehalten, die innerhalb der Gemeinschaft in verschiedene Weihegrade aufsteigen konnten: corax (Rabe), nymphus (Bräutigam), miles (Soldat), leo (Löwe), perses (Perser), heliodromos (Sonnenläufer) und pater (Vater). Letzterer war der ranghöchste Vertreter des Kultes innerhalb der lokalen Glaubensgemeinschaft, die oft nicht mehr als 20 Mitglieder hatte.

Die Höhle wurde zu einem der im gesamten Römischen Reich unverwechselbaren Kulträume ausgebaut: eine dreischiffige Anlage mit Liegebänken rechts und links und einem vertieften Mittelgang, der auf das Kultbild an der Stirnwand zuführte (hier rekonstruiert). Da der Kultraum vom Tageslicht abgesondert sein musste, ist vor der Höhle ein hölzerner Vorbau mit einem abgetrennten Eingangsbereich zu rekonstruieren.

In den Räumen dürften zahlreiche Altäre und Weihesteine gestanden haben. Funde von Münzen und Geschirr der Kultmahlzeiten in der Höhle und auf dem Vorplatz belegen eine intensive Nutzung des Kultraums ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts; zu dieser Zeit stieg im gesamten Römischen Reich das Interesse an der Religion, und es traten vermehrt Angehörige der Oberschicht in die Kultgemeinschaften ein.

Mithras tötet den Stier (klassische Darstellung).

Inhaltlich stand der Mithraskult in Konkurrenz zum Christentum: beide versprachen bei moralischem Handeln im Diesseits die Erlösung im Jenseits, und beide zeigen auffällige Parallelen: zum Beispiel die (Wieder)Geburt des menschgewordenen Heilbringers in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, mit der Einweihung verbundene Zeremonien wie Zeichnungen auf der Stirn und Waschungen, kultische Mahlzeiten im Angesicht Gottes oder die Himmelfahrt. Dennoch gab es im Mithraskult keine übergeordnete Organisation, keinen Anspruch auf Alleinverehrung und auch keine missionarischen Bestrebungen.

Mit dem Edikt des Kaisers Theodosius von 391 n. Chr., das die Verehrung aller heidnischen Götter untersagte, kam es als Gegenbewegung zu einem kurzen Aufflammen des Mithraskultes. Schließlich setzte sich das Christentum vollständig durch; spätestens am Ende des 4. Jahrhunderts dürfte also auch der Mithraskult am Halberg erloschen und das Heiligtum aufgegeben worden sein.

Einer Legende nach soll Arnualdus (560 – 611) zu Beginn des 7. Jahrhunderts in der Höhle eine Einsiedelei begründet haben. Dem Bischof zu Metz (601 – 609) wird auch die Gründung des Stifts St. Arnual zugeschrieben. Funde aus dieser Zeit sind auf dem Halberg allerdings kaum überliefert.

Zahlreiche Spuren deuten hingegen auf eine Einsiedelei mit Wallfahrtstätte im 15. Jahrhundert hin, obwohl eine urkundliche Erwähnung bislang aussteht. Vielleicht wurde in der Grotte der inzwischen heiliggesprochene Arnualdus verehrt. Auf die Wallfahrtstätte sollen die Nischen am Ende der Höhle zurückgehen; möglicherweise wurde damals auch die Treppe auf der linken Außenseite als Aufgang zu einer hölzernen Kanzel angelegt. Eine Matrize aus Ton scheint ein Beleg dafür zu sein, dass im Umfeld der Höhle Devotionalien hergestellt wurden.

Im frühen 18. Jahrhundert wurde die "Heidenkapelle" bei der Erweiterung des Schlossparks des Schlosses Monplaisir auf dem Halberg wiederentdeckt. Die verfallene Höhle wurde ausgeräumt und sollte dem Zeitgeschmack entsprechend als Naturgrotte in die Parklandschaft integriert werden. Viele der Nischen in den Felswänden entstanden bei der Gestaltung des Platzes, um Skulpturenschmuck aufzustellen. Der Torso einer Göttin mit Ährenbündel, die dem Bildhauer Pierrard de Coraille zugeschrieben wird, ist im Foyer des Schlosses ausgestellt. Die Skulptur mag einst in einer jener Nischen gestanden haben

freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

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