Malen war seine Leidenschaft - Walter Bernstein
Schiffweiler von Walter Bernstein, 60er Jahre, Öl auf Holz, 93,5 x 144,0 cm, Foto: Gemeinde Schiffweiler
Walter Bernstein, geboren 1901 in Schiffweiler, gilt heute als einer der wichtigsten Industriemaler im Saarland. In diesem Jahr feiert man den 125sten Geburtstag des Künstlers Walter Bernstein, 1901 in Schiffweiler geboren, gilt heute als einer der bedeutendsten Industriemaler des Saarlandes. Anlässlich seines Jubiläums widmet ihm die Region Neunkirchen in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit. Die Städtische Galerie Neunkirchen präsentiert in Zusammenarbeit mit der Förderstiftung Walter Bernstein eine umfangreiche Jubiläumsausstellung, die sein außergewöhnliches künstlerisches Lebenswerk würdigt. Mit seinen eindringlichen Darstellungen industrieller Landschaften und Arbeitswelten hat Bernstein die Kunst des Saarlandes nachhaltig geprägt.
Bernstein malte immer wieder Kraniche. Man vermutet in dem wiederkehrenden Motiv einen Bezug zu dem Verlust seiner Frau. In Brechts Gedicht „Die Liebenden“ von 1928/29 stehen Kraniche symbolisch für zwei Liebende, die, innig miteinander verbunden, getrennt werden.
Seine Biografie liest sich typisch für die Zeit: Nach dem Abitur lernt er in Neunkirchen in einer Eisenwarenhandlung. Im Anschluss macht er eine weitere Lehre und wird Maler und Anstreicher. Seine Liebe zu den Farben scheint geweckt. Es folgt eine Weiterbildung zum Dekorationsmaler in Zweibrücken. 1923 entschließt er sich zu einem Studium an der Kunstschule in Nürnberg, wechselt dann nach Berlin an die Vereinigten Staatsschulen für angewandte Kunst und der Preußischen Akademie der Künste. Er wird Schüler u.a. von Hans Meid. Überaus begabt macht er sich einen Namen als guter Grafiker und erhält zahlreiche Aufträge.
Er verliebt sich und heiratet 1936 die Tänzerin Bertha Bodmer. So hält das Thema Tanz Einzug in sein künstlerisches Schaffen. Das Glück ist jedoch nicht von Dauer. 1939 stirbt seine Frau an einer Blutvergiftung und die Nazis bezeichnen seine Kunst als „entartet“.
Bernstein muss im Zweiten Weltkrieg Kriegsdienst leisten. Er zeichnet weiter, auch in der Kriegsgefangenschaft, dunkle Motive von zerstörten Städten und Eindrücken an der Front. 1945 kehrt er in seine Heimat nach Schiffweiler zurück – er hat alles verloren.
Über seine Zeit in Berlin recherchiert im Rahmen der Feierlichkeiten ein saarländisches Filmteam. Die Reportage ist hier zu sehen: Walter Bernsteins Jahre in Berlin on Vimeo
Neunanfang in Schiffweiler
Seine Nichte, Ingrid Kessler, erinnert sich an ihn, als einen Menschen, der ständig gemalt hat. Wo er ging und stand, immer war er bereit, die Situation in einer schnellen Skizze festzuhalten. Besonders interessierte ihn das tägliche Leben der Menschen, die Industrie an der Saar, die Landschaften – geprägt von Bergbau und Stahlindustrie, die Arbeiter im Stadtbild – auf ihrem Weg von und zur Arbeit. Bernstein wird der Arbeiterkultur des Saarlandes den Rest seines Lebens treu bleiben. Er entwickelt sich zu einem Künstler, der die industrielle Entwicklung des Saarlandes in seinen Bildern dokumentiert.
Den hart arbeitenden Bergleuten setzte er mit seiner Kunst ein Denkmal. Etliche ließen sich von ihm malen, stolzer Blick aus grubenschwarzem Gesicht, der Förderturm im Bildhintergrund. Einige dieser Portraits sind noch heute in saarländischen Wohnzimmer zu finden. Auch die Not und Armut, die die Industrialisierung mit sich brachte, mahnt Bernstein an. Er übt mehr und mehr Sozialkritik, indem er das Elend und die Not dieser Zeit in seinen Bildern sichtbar macht.
Kunst im öffentlichen Raum
Er schätzte die künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum. Schon vor dem Krieg entwarf er Gestaltungen für Wandmalereien. In den 50er und 60er Jahren setzte er etliche Projekte im öffentlichen Raum um, die teilweise noch heute zu sehen sind. Seine Wandmalereinen findet man beispielsweise noch im Rathaus und in der katholischen Pfarrkirche in Schiffweiler, im Neunkircher Zoo und in der katholischen Pfarrkirche in Illingen-Welschbach.
Sein Portrait hat der Graffitikünstler Hendrik Beikirch auf eine Hauswand unterhalb des Rathauses in Schiffweiler gesprüht. Zum Gedenken an den Schiffweiler-Ehrenbürger Walter Bernstein und sein künstlerisches Schaffen.
Termine anlässlich der 125-Jubiläumsausstellung:
ERÖFFNUNG: Freitag, 06. Februar 2026, 19.00 Uhr
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG: Sonntag, 22. Februar 2026, 15.00 Uhr
ABENDVORTRAG: Freitag, 06. März 2026, 18.00 Uhr
Der Industriemaler Walter Bernstein (1901-1981) – Leben, Werk, Bezüge Dipl.-Geogr. Delf Slotta (Saarbrücken), Regierungs-Direktor und Landeskundler, Mitgründer und Stiftungsrat der Förderstiftung Walter Bernstein
FINISSAGE: Sonntag, 08. März 2026, 15.00 Uhr
Der Künstler und Mensch Walter Bernstein – Landrat Sören Meng im Gespräch mit Dr. Liane Wilhelmus.
ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch-Freitag 10.00-18.00 Uhr ⅼ Samstag 10.00-17.00 Uhr
Sonntag und Feiertag 14.00-18.00 Uhr
Weitere Informationen unter Städtischen Galerie Neunkirchen: Städtische Galerie Neunkirchen , Förderstiftung Walter Bernstein : www.walter-bernstein.de
geschrieben von Susanne, am 22.01. 2026