Bernd Kissel – Comics - BilderWelten–WeltenBilder
Einblick in die Ausstellung, Interview mit Bernd Kissel, Foto Christian Göbel
Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen lädt aktuell ein, in die Bilderwelten eines saarländischen Künstlers eintauchen, der weit über die Grenzen des Saarlandes bekannt ist: Bernd Kissel. Zu sehen ist eine Werkschau mit einer großen Auswahl seiner Originalzeichnungen. Ob Background-Entwürfe für Trickfilme, Adaptionen, Illustrationen eines Märchens der Gebrüder Grimm oder Illustrationen für Kinderbücher, ob als Autor der „Saar Legenden“ oder Comics für den französischen oder englische Fremdsprachunterricht, ein Kinderbuch die „Kaarten von Dahämm“ oder das „SaarlandAlbum“. Schnell entsteht Neugier auf den Menschen, der all diese Welten erschaffen hat.
Bernd Kissel ist 1978 in Saarbrücken geboren und in Berus, nahe der französischen Grenze, aufgewachsen. Schon früh begeisterte ihn das Zeichnen. Mit 17 gewann er bereits seinen ersten Wettbewerb, es folgten weitere Auszeichnungen so der Rudolph-Dirks-Award im Jahr 2016. Gemeinsam mit dem Comicautor Flix wurde Bernd Kissel für die Graphic Novel „Münchhausen – Die Wahrheit übers Lügen“ geehrt. Für sein künstlerisches Schaffen wurde er 2024 mit dem Saarlouiser Tonton-Preis ausgezeichnet. Gemeinsam mit Marc-Uwe Kling erschien 2025 „Elon & Jeff on Mars“, eine satirische Graphic Novel, die von zwei Milliardären handelt, die sich einen absurden Wettstreit zum Mars liefern.
Der Comic-Zeichner Bernd Kissel, Foto: Rolf Ruppenthal
Hallo Bernd, was bedeutet dir die große Werkschau im Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen?
„Es erfüllt mich mit viel Freude, es ist nicht selbstverständlich - hier und da hatte ich ja schon Zweifel, ob das gut geht. Ich zeichne ja seit etlichen Jahren und in meinem Alltagstrott bekomme gar nicht so unbedingt mit, was alles schon entstanden ist. Es ist schon sehr Besonders in der Ausstellung alldem zu begegnen. Für mich ist die Ausstellung eine Art „Bestandsaufnahme“. Es geht ja weiter.“
Bernds Weg führte nach dem Abitur zunächst nach Luxemburg, am Lycée Technique des Arts et Métiers. Hier hat er eine Ausbildung zum Trickfilmzeichner erfolgreich mit einem Diplom abgeschlossen. Fast acht Jahre entwarf er Hintergründe für Animationsserien und sammelte Erfahrungen in der Welt des bewegten Bildes.
Doch eines Tages, Bernd? Entstanden aus deiner Feder die „Saar Legenden“!
„Ja, ich wollte etwas Neues machen für das Saarland. Mehr eigene Figuren, mehr Geschichten und habe dabei meine Heimat neu entdeckt. Mit den „SaarLegenden“ und dem „SaarlandAlbum“ sind regionale Sagen und saarländische Erzählkultur erlebbar geworden. Ich erzähle auf humorvolle und leicht verständliche Weise historische Ereignisse wie die Saarabstimmung oder die eigene Fußballnationalmannschaft des Saarlands oder kulturelle Höhepunkte wie den Grand-Prix-Sieg von Nicole.“
Nicht nur das Saarland spielt eine Rolle in deinen Graphic Novels, sondern auch ein berühmtes Känguru?
„Ja es ist viel Saarland in der Ausstellung. Ich mag das Saarland sehr und seine Geschichte. Ich habe eine Vielzahl an Projekten und das Schönste ist, es ist immer ein anderer Ausgangspunkt, der eine abwechslungsreiche Herangehensweise ermöglicht.
Beim Känguru war es so. Der Carlsen Verlag gab mir den Tipp, dass eine Visualisierung des durch Hörbücher, Podcast und Vorstellungen bekannten Kängurus gesucht wurde. Das war schon eine Herausforderung, schließlich hatten etliche Fans schon ein Bild vom Känguru im Kopf. Ich hatte aber auch eine konkrete Vorstellung, schickte meinen Entwurf ein und Marc-Uwe Kling gefiel es. So kam es zu der Zusammenarbeit der Comic Strips für Zeit online. Marc-Uwe lieferte die textlichen Szenen und Impulse, ich übersetzte sie Panel für Panel. Bis zu 12 Bilder waren es, zum Beispiel das Känguru sitzt in der Küche, das Känguru macht sich ein Toast, gießt sich Kaffee ein. Die Känguru-Comics wurden vom Publikum schnell und sehr wohlwollend aufgenommen.“
Foto von der Originalzeichnung Bernd Kissel.
Das Känguru gezeichnet im Bernd Kissel Stil ist keine realistische Tierfigur, sondern eine bewusst reduzierte Comicgestalt. Es wirkt sehr präsent – ein kleines, aufrechtstehendes Känguru, dessen Ausdruck fast vollständig über Mimik und Haltung funktioniert. Die Augen, der Mund und die Körpersprache des Kängurus tragen die gesamte Wirkung eines Panels und machen aus wenigen Strichen eine Figur, die unmittelbar reagiert, widerspricht und kommentiert. Gerade diese Reduktion verstärkt den Humor der Dialoge, weil kleinste Veränderungen im Gesicht bereits Ironie oder Übermut sichtbar machen. Beeindruckend.
Beeindruckend auch, dass du vor Live Publikum Comics entstehen lässt, dabei greifst du die Unterhaltung, das Thema ad hoc auf. Bist du nicht nervös, wenn du mit deinen Werken beginnst, hast du eigentlich Angst vor dem weißen Blatt?
„Das ist in der Tat unterschiedlich. Mir fällt es leicht auf Zuruf etwas entstehen zu lassen, beispielsweise bei einem Auftritt oder in einer Fernsehsendung das Gehörte als Comic zusammenzufassen. Aber zu Hause vorm weißen Blatt, da ist die Produktivität schon manchmal weiter weg. Da tut es gut, wenn man über Quellen der Inspiration verfügt.“
Was inspiriert dich?
„Nun, ich mag Asterix, für mich war das kurze Treffen mit Albert Uderzo damals anlässlich der Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte sehr besonders. Ich bin begeistert von Geschichten, von Legenden, den Felsformationen, den Druiden, ich mag Spaziergänge im Wald, Wanderungen, Naturdenkmäler, die Saarschleife und den Saargau. Aber auch leise Musik und Naturgeräusche. Ich recherchiere viel und arbeite Details aus. Vergleiche Fotos. Und beim Fluxus, dem Saarlouiser Wassergeist, inspirierte mich eine Münze.“
Übernachten im Comic und Comicwerkstatt
Wir unterhalten uns weiter über seinen Galgenhumor und dass er sich seine kindliche Betrachtungsweise bewahrt hat. Wir sind zudem einer Meinung, dass Comics für alle Altersstufen geeignet sind und wichtige Botschaften transportieren können.
Foto: Chris Schuff, Zimmergestaltung Hotel am Triller
Comics können aber auch die Guten Morgen oder die Gute Nacht Geschichte erzählen. So wie im Hotel am Triller in Saarbrücken. 26 Zimmer sind mit übergroßen Bernd Kissel Comic gestaltet. Jedes Zimmer erzählt seine eigene Geschichte. So wird die Übernachtung zu einem kleinen Eintauchen in die regionale Mythenwelt des Saarlandes, die beim Einschlafen vielleicht sogar weiterwirkt.
Mein Tipp lautet nun: Unbedingt die Ausstellung im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen besuchen. Sie wird noch bis zum 03. Januar 2027 gezeigt.
Und bringt auf jeden Fall genügt Zeit mit, denn am Ende der Ausstellung wartet die Comicwerkstatt und man kann hier selbst Comics entwerfen!
Lieber Bernd, vielen Dank für unser Gespräch und den Einblick in Deine Arbeitsweise. Wir wünschen Dir weiterhin einen kreativen Flow und freuen uns, auf neuen Arbeiten.
Link zum Museum hier.
Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation mit der Gemeinde Wadgassen in enger Zusammenarbeit mit Bernd Kissel.