Urwaldförsterin im einzigartigen Saarkohlenwald
Nur wenige Minuten von Saarbrücken entfernt liegt ein Wald, der auf faszinierende Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet: der Saarkohlenwald. Der 6.000 Hektar große Wald liegt wie eine große grüne Insel inmitten der städtisch geprägten Region Saarbrücken. Kürzlich wurde der Saarkohlenwald vom Bund Deutscher Forstleute zum „Waldgebiet des Jahres 2026“ gekürt.
Ein Urwald vor der Stadt
Das Herzstück des Saarkohlenwaldes ist das Pilotprojekt „Urwald vor den Toren der Stadt“. Auf 1.000 Hektar darf der Wald sich dort ohne Eingriffe entwickeln – ein Ort für Forschung, Umweltbildung und stille Beobachtung. Darüber hinaus gibt es im Saarkohlenwald eine prozessschutzorientierte Bewirtschaftung auf weiteren 1.000 Hektar, wo menschliche Eingriffe auf ein Minimum reduziert werden, und eine naturnahe Bewirtschaftung nach Waldbaurichtlinien, die ökologische Standards mit nachhaltiger Nutzung verbindet. Der Saarkohlenwald verfolgt somit einen innovativen Ansatz, der drei aufeinander abgestimmte Konzepte kombiniert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen zielt er darauf ab, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften, natürliche Prozesse zu schützen und Erkenntnisse für künftiges Waldmanagement zu gewinnen.
„Diese drei Konzepte laufen hier auf kleinster Fläche zusammen – und machen den Saarkohlenwald einzigartig, besonders in einem urban geprägten Umfeld“. Und die enge Zusammenarbeit von Ministerium, NABU, BUND und Saar Forst sorgt für fachliche Qualität und nachhaltige Planung“, so Helena Stein, Urwaldförsterin im Urwald vor den Toren der Stadt.
Försterin, Pädagogin, Brückenbauerin
Helenas Arbeit als Urwaldförsterin im Saarkohlenwald ist so vielseitig wie der Wald selbst: Infrastruktur wie Brücken pflegen, Rettungswege sichern, Kinder- und Jugendprogramme gestalten, Veranstaltungen planen und Besuchende über Natur, Totholz und Naturschutz aufklären.
„Als die Stelle zur Revierleitung für den Urwald Saarbrücken ausgeschrieben wurde, habe ich mich sofort beworben – und ich empfinde es bis heute als großes Glück“, erzählt sie mit einem Strahlen im Gesicht.
Helena Stein stammt aus dem Nordsaarland und ist seit ihrer Kindheit Pfadfinderin. Schon früh leitete sie eigene Gruppenfahrten in Deutschland und ins Ausland, organisierte Zeltlager und Outdoor-Abenteuer. Der Wald war für sie immer mehr als Bäume – er war Lernort, Abenteuerplatz und Kraftquelle. Ihr Weg zur Försterin führte sie über ein Staatsexamen in Hessen und ein Bachelorstudium in Forstwirtschaft. Doch Helena wollte mehr als klassische Waldbewirtschaftung: Waldpädagogik, Naturvermittlung und ästhetische Bildungsangebote interessierten sie, mit Begeisterung ist sie Musikerin. So studierte sie on the Top Master Kulturmanagement an der htw saar. Musik, Bildung, Natur – für sie gehören all diese Elemente zusammen, sie kann so den Menschen die Natur optimal vermitteln.
Ein Tag zwischen Wald und Büro
Ein typischer Tag? Den gibt es nicht. „Wer denkt, ich bin nur draußen im Wald, irrt sich – es ist 50 zu 50: Büro und draußen im Wald,“ erzählt sie lachend. Doch jeder Schritt im Wald inspiriert: „Einer meiner Lieblingsorte ist das Tal der Stille. Nur fünf Kilometer Luftlinie vom lebendigen St. Johanner Ort entfernt, erlebe ich hier eine magische Ruhe – da schöpfe ich Kraft und Ideen“, so Helena.
Im Sommer begleitet Helena Gruppen durch den Urwald, kontrolliert Bäume auf Sicherheit und hält Wege frei – ein Balanceakt zwischen Naturschutz, Besucherlenkung und Infrastruktur. Eine heikle Balance ist es, wenn sie Bäume fällen muss, die sie gerne stehen lassen würde, um die Sicherheit zu gewährleisten. Kommunikation macht ein Großteil Ihrer Arbeit aus. Nach dem Gespräch verstehen die meisten Besucher unsere Perspektive.
Einst ist im Saarkohlenwald eine gigantische Seilbahn verlaufen. Wenn wir genau hinschauen ist Einiges davon im dichten Wald noch zu sehen. Diese Seilbahn transportierte Abraum - also Gestein, dass nicht mehr benötigt wurde und Erde die beim Bergbau anfiel - von der Grube Von der Heydt hinunter ins Steinbachtal.
Herausfordernd sind heute die Folgen des Klimawandels: jeder fünfte Baum, besonders Buchen, leiden oder sterben ab, auch Eichen sind betroffen. Schädlinge wie der Eichenprachtkäfer machen das Waldmanagement komplex.
Helena erklärt: „In den bewirtschafteten Nachbarrevieren/ bei SaarForst setzen wir zum größten Teil auf Naturverjüngung, wenn wir pflanzen wählen wir Baumarten, die gut/ besser mit Trockenheit klarkommen, und beobachten genau, wie sich der Wald entwickelt. Jeder Eingriff ist sorgfältig abgewogen. Und leider landet auch Müll im Urwald - über ein spezielles Portal können Besucher*innen diesen melden und so aktiv zum Schutz beitragen.
Im Winter entstehen neue Konzepte für Wald- und Wildnispädagogik, Ausstellungen oder das Planen von Veranstaltungen, wie die jährlich stattfindenden deutschen Waldtage. Jedes Jahr kann auch eine kostenfreie Ausstellung vom Frühling bis Herbst am Wildinformationszentrum besucht werden. Die diesjährige Ausstellung „Ein Baum im SaarkohleNwald“ wurde kürzlich am Kinderurwaldfest eröffnet. Außerdem kommt der Urwald in die Stadt und die Arbeiten der UrwaldWerkstatt, Fotografien werden im VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss ausgestellt. „In der UrwaldWerkstatt nähern wir uns immer künstlerisch dem Thema Urwald. Die diesjährige UrwaldWerkstatt führt mit Stift und Papier durch den Urwald, es geht ums kreative Schreiben konkret um Poetry Slam“, stellt Helene mir ihr Programm vor.
Helena macht es zufrieden und glücklich, wie Kinder lernen, selbstbewusst durch die Natur zu gehen durch Programme wie „Urwald macht Schule“.
„Einmal beschrieb eine Teilnehmerin nach wenigen Tagen im Camp das Lager, wie eine Wohnung in der für alles gesorgt ist. Das zeigte mir, dass sie sich im Wald wohl fühlte und wir mit unserem Programm wirklich etwas bewegen“, so die Wald- und Wildnispädagogin.
Spannend findet Helena auch folgenden Kontrast- früher zu Zeiten der Fürsten von Nassau, als der Saarkohlenwald als Jagdrevier genutzt wurde, durfte die Bevölkerung nicht in den Wald. Heute laden wir die Bevölkerung herzlich ein. Der Wald ist für uns alle da und die Begeisterung der Menschen für den Wald ist groß!
Für Helena Stein ist der Saarkohlenwald mehr als ein Arbeitsplatz: Er ist Lebensraum, Lernort, Kraft- und Inspirationsquelle. Helena arbeitet täglich daran, den Wald für kommende Generationen zu erhalten – mit einem tiefen Verständnis für Ökologie, Besucherlenkung und Kulturgeschichte.
Vielen Dank für diesen spannenden Einblick und deine, eure gemeinsame wertvolle Arbeit!